Neu Verzapftes und frisch Gefischtes. Schreibsel aus unserem Alltag.

Zielstrebige Ziellosigkeit

“Wer Marathon läuft, schaut sich selten die Landschaft an. Das reduziert die Möglichkeiten, die Auswahl – eine Todsünde in der Wissensgesellschaft. Man kommt schneller an, weiß aber nicht, wo. Und gesehen hat man unterwegs auch nichts.” Gelesen im neuen Brand eins: “Wo willst du hin?

Wir leben in einer Zeit, in der sich nicht nur die Möglichkeiten sondern auch die Ziele multiplizieren. Es gibt nicht nur eines, sondern unendliche. Jedes Ziel sei nur so gut, wie das, was man unterwegs an Besserem findet, heisst es im Magazin.

Daher: Halten wir doch die Augen, Ohren und Herzen geöffnet und schlendern gemütlich einem Ziel entgegen. Vielleicht entdecken wir schon vorher ein Neues, versteckt hinter einem Baum oder unter dem Moos vergraben. Wenn dem so ist, keine Angst! Abbiegen, stehen bleiben, umkehren oder Purzelbäume schlagen ist durchaus erlaubt. Und auf einen Stein sitzen, im Brand eins schmökern und sich von den Zielen anderer inspirieren lassen, sowieso.

 

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Die kleinen Freuden des Alltags

Text auf Papier, lesefreundlich aber nicht langweilig gelayoutet, gebunden und mit viel Liebe verpackt – mag ich sehr. Klar, wider Erwarten lese auch ich heute viel am Bildschirm, so lange Artikel sogar, dass die Bewegung von Zeige- und Mittelfinger, die übers Touchpad streicheln, beinahe Muskelkater verursacht. Man gewöhnt sich an vieles. Und ganz ehrlich: diese grossformatigen, unförmigen Zeitungen, dieses Raschelpapier, vorneweg dafür gemacht, umgehend in der Papierabfuhr zu landen… ich denke, ich könnte ganz gut ohne.

Aber geht’s um Bücher… auf ihr Gewicht in meinen Händen verzichten? Auf das rekordverdächtige Tempo, mit dem ich durch die Seiten blättere, wenn’s mich so richtig gepackt hat? Kein nochmals zurückgehen, um sicher zu gehen, dass ich ja keine Seite ausgelassen habe? Keine wundervollen Covers mehr? Niemals! Seit ich lesen kann, gehört das durch Büchereien oder Bibliotheken streichen zu den kleinen Highlights meines Alltags. Lasse ich mich von der Hülle, von was auch immer mir da ins Auge springt, verleiten, wenn ich ein Buch schliesslich in die Hand nehme. Für diesen einen kleinen Moment werden Inhalt und Autor nebensächlich.

Jackpot natürlich, halten sich Äusseres und Inneres danach die Waage. Auf die Spitze getrieben und in Perfektion umgesetzt hat das der US-Künstler Evan Lorenzen. Sein Buch ist kleiner als eine Stecknadel – der Inhalt: vermeintlich vergleichbar.

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Kartengruss ans… Hirn

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Liebes Hirn

Manchmal verrennst Du dich. Und wie. Noch rassiger als das Rössli auf der Karte*, galoppierst Du in die falsche Richtung. Erst kürzlich wieder passiert. Als wir ans Konzert nach Zürich gefahren sind, gemeinsam mit dem Rucksäckli gefüllt mit unserem Leben, welches gut und gerne in einem Laptop, Portemonnaie und im Handy Platz hat. Vertrauenseelig gaben wir es in der Garderobe ab (wie blöd: wer gibt sein Leben schon in die Hände eines Garderobiers?) – und holten es gut gelaunt und fröhlich berauscht von den Menschen und der Musik in nächtlicher Stunde wieder ab.

Am nächsten Morgen: Die böse Überraschung: Laptop weg! Portemonnaie und Handy zwar noch da. Aber Laptop weg! Tränen! Wut! Die aktuellen Texte und die Recherche! Scheisse! Wann machten wir das letzte Backup? Erinnern konntest Du dich nicht mehr… Schlechtes Zeichen.

Der letzte Strohalm – Vielleicht, vielleicht habe ich ihn in der Wohnung liegen lassen. Obwohl: Nein, Du warst dir ganz sicher, dass du ihn im Zug noch gesehen hast. Auch ans Einpacken erinnertest Du dich haarklein – mit 100 prozentiger Sicherheit. Oder 99,9 Prozentiger. Doch Strohhalm ist Strohalm. Zum Glück entwickelt der sich manchmal zu einem veritablen Weizenfeld. Denn tatsächlich lag der Laptop friedlich auf dem Schreibtisch.

Was ich daraus lerne? Backup, täglich. Mindestens – und Dir weniger zu vertrauen…

Sarah

* gesehen und gekauft im Staufacher Bern.

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Sarahs Gemischtwarenladen

SRF, AWP, SAC oder HTR: Dabei handelt es sich nicht etwa um einen angepassten Fanta Vier Hit – sondern um Lohnausweise, welche in den letzten Wochen meist ohne freundliche Grüsse bei mir ins Haus geflattert sind. Pflichtbewusst stapele ich sie in meinem Steuermäppchen, und verstaue dieses rasch wieder ins unterste Ablagefach. Aus den Augen aus den Sinn, sonst wird mir schier schlecht des vielen Papiers wegen. Doch nicht nur deswegen.

In diesen Momenten türmt sich jeweils auch mein wahres Ich vor meinem Innern auf, wie ein Berg Pelatidosen im Denner beim Sonderverkauf. Ich bin ein Gemischtwarenladen, blitzt es durch den Kopf. Tante Emma ist ein Dreck dagegen.

Ein Elternmagazin gehört genau so zu meinen Auftraggebern, wie Miss Moneypenny – ein Heft, welches sich auf Assistentinnen spezialisiert hat. Oder die Gemeinde Schweiz. Zwar bin ich weder Mutter noch Personal- oder Gemeindeexpertin. Doch Fokussierung ist nun mal nicht mein Ding. Nichts von Spezialgebiet, Sonderwissen oder was auch immer.

Ich weiss vieles, vieles auch nicht und nur eines weiss ich sicher: Das fest legen fällt mir schwer. Könnte ja noch ein Fest verpassen. Oder zu gefestigt werden.

Wenig verwunderlich, habe ich es in den letzten vier Jahren als Freischaffende (noch) nicht meine Steuerform gefunden. Ich hüpfe von einer Teilzeitstelle mit freien Aufträgen, auf eine wahrhaftige Einzelfirma rüber zu einem kleinen Temporäbüro – immer freudig, immer lustig hin und her. Ab und an grüble ich über eine GmbH nach. Etwas Sicherheit. Eine Absicherung. Klare Verhältnisse. Meist verweigert der Gedanke jedoch schon der Sprung über die herannahenden bürokratischen Hindernisse.

Für 2014 ist eh schon alles verloren. Was bleibt, ist der Papierstapel mit verschiedensten Lohnzetteln und Honorarabrechnungen. Die Frist habe ich schon mal verlängert. Immerhin da weise ich eine gewisse Konstanz vor.

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Schreiber übers Schreiben: Steven King

Es gibt eine Muse*, aber er kommt bestimmt nicht in Ihr Arbeitszimmer geflattert und streut kreativen Feenstaub auf Schreibmaschine oder Computer. Er lebt unter der Erde. Er ist ein Kellerwesen. Sie müssen sich zu ihm hinunterbegeben, und wenn Sie erst einmal da sind, müssen Sie ihm eine Wohnung einrichten, in der er leben kann. Anders ausgedrückt: Sie müssen die ganze Drecksarbeit machen, während sich der Musentyp hinfläzt, Zigarren raucht, seine Bowlingtrophäen bewundert und so tut, als wären Sie nicht vorhanden.

*Üblicherweise sind Musen Frauen, aber meine ist ein Mann.

Aus “Das Leben und das Schreiben” von Steven King, S. 175.
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Kartengruss an … Januar-Blues

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Lieber Januar-Blues

Deine Treue ehrt mich: Jedes Jahr stehst du vor der Tür. Trittst ungefragt ein und machst Dich auf meinem schönen Sofa breit. Du leerst meine Vorräte – vor allem die alkoholischen, schokoladigen und fettigen. Du vertreibst Freunde, vermiest die Stimmung, plärrst herum und lässt Dich durch nichts stören.

Deshalb, lieber Januar-Blues, müssen wir uns über das nächste Jahr unterhalten. Könntest Du nicht mal zuhause in Deinen eigenen vier Wänden bleiben? Ich möchte nämlich mal anderen Besuch empfangen. Beispielsweise das Januar-Hoch.

Ich danke für Dein Verständnis.

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Liebesbriefe. Oder so.

Ginge es nach ein paar Leuten, die von mir schon mal in irgend einer Form in einem Text erwähnt wurden, sollte man mir schleunigst verbieten, weiterhin in die Tasten hauen zu dürfen. Kurz zusammengefasst fanden diese nämlich, was ich schreibe sei wahlweise Mist, Müll, Schwachsinn oder Scheisse.

Nun ja. Gehört halt dazu. Da kommt man nicht drum rum. Muss man so hinnehmen. Und vorausgesetzt, das Geschriebene ist nicht falsch, sondern entspricht ganz einfach nicht dem Geschmack des Kritikers, verschwinden die kleinen Spuren im dünnen Fell ja dann auch meist ganz schnell wieder wie von selbst.

Ausserdem halten sich böswillige Rückmeldungen in Grenzen, solange man sich nicht grossartig exponiert. Spätestens, wenn man einen Bekanntheitsgrad wie Sybille Berg erreicht hat, ist ihr Weg, ein wenig der ihr zugetragenen Liebe (oder so…) an den Leser zurück zu geben, ziemlich geschickt. Finde ich. Zumal die wahren Liebesbriefe ein schönes Gegengewicht geben.

@Sarah: Ich plädiere dafür, dass wir uns schleunigst eine Info-Adresse einrichten. Nur so für den Fall der Fälle. Falls wir mal berühmt werden sollten. Oder so.

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